Freitag, 24. September 2010

Sumelocenna-die Römer in Rottenburg


Leseprobe aus dem Schwäbischen Haus-und Heimatkalender 2011



Sumelocenna

Unter Rottenburg am Neckar liegt eine ganz andere Welt verborgen: die antike römische Stadt Sumelocenna. Bei den Aushebungsarbeiten für ein Parkhaus wurden Grundmauern von Häusern freigelegt sowie eine römische Latrine. Das Rottenburger Gebiet kam vermutlich um das Jahr 98 n.Chr. unter römische Herrschaft. Der römische Herrscher Trajan errichtete um diese Zeit den Neckar-Odenwald-Limes. Sumelocenna lag an der römischen Fernstraße Cannstatt- Rottweil-Hüfingen-Windisch. Der Name leitet sich wohl aus dem Keltischen ab: ‚Die Leute des Sumelo’, eines keltischen Stammes.
Gegen einen Obulus saßen die römischen Einwohner in der Latrine, verrichteten ihre Geschäfte, plauderten miteinander, ließen ihre Produkte in die Cloaca Maxima fallen und wuschen sich die Hände im vorbeifließenden Wasser, denn Toilettenpapier gab es damals noch nicht. Wohl aber Fußbodenheizungen und Wasser für alle, das aus dem sieben Km entfernten Rommelstal mittels hölzernen Rohren
in die Stadt geleitet wurde. Es gab Metzger, Bäcker, Friseure, Ärzte, Glasscheiben, Würfel und andere Spiele. Haarnadeln lassen darauf schließen, dass die Damen ihre Haare aufgesteckt trugen. Die Vorräte wurden in Kellern, in Amphoren und Schüsseln gelagert. Auf dem Speisezettel standen zum Beispiel Linsen mit Esskastanien. Aber viel lieber waren, zum mindesten den reicheren Bewohnern, Austern, die vom französischen Atlantik mit Ochsenkarren hierher gebracht wurden. Doch im Jahre 259/60 nach Chr. war die Zeit der Römer vorbei. Alemannen überrannten den Limes und zogen plündernd durchs Land. Sulemocenna wurde verlassen; die Alemannen gründeten eine neue Siedlung in Sülchen, wo sie ihre Holzhäuser bauten, die heute vergangen sind. Der Name ‚Sülchen’ ist möglicherweise eine vulgärlateinische Abwandlung von ‚Solemocenna’ – und ‚Rottenburg’ könnte einerseits ‚rote Stadt’ bedeuten, ebenso gut aber, weil mit zwei ‚t’ geschrieben, ‚zerstörte Stadt’. Josef Eberle alias Sebastian Blau hat mit einer Spende die Gründung dieses Museums ermöglicht.

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