Freitag, 8. April 2011

Sebastian Blau und der Wanderweg in Rottenburg

Rottenburg Marktplatz: Hier stand das Geburtshaus von Josef Eberle

 
Sebastian Blau alias Josef Eberle, geb. 8.9.1901 in Rottenburg, gest.20.9.1986 in Samendan, Graubünden, war ein schwäbischer Schriftsteller und Herausgeber der "Stuttgarter Zeitung". Nach ihm wurde ein Wanderweg in Rottenburg benannt, mit schwäbischen Gedichten von ihm beschildert. Die genaue Wegbeschreibung findet man hier.
Der heilige St. Nepomuk


Als Lektor des Stuttgarter Rundfunks lehnte Josef Eberle Vorträge von Hitler und Goebbels ab. 1933 wurde ihm die Stelle im Funkhaus gekündigt, und er musste für kurze Zeit in das KZ Heuberg bei Stetten a.k.M. Als Sebastian Blau versuchte er, sich eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen, erhielt jedoch 1936 Berufsverbot. Trotzdem erschien 1941 seine „Rottenburger Hauspostille“. Nach 1945 war er Mitherausgeber der „Stuttgarter Zeitung“. 1956 Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen, 1961 Ehrenbürger der Stadt Rottenburg. In die fünfziger Jahre fiel der sogenannte „Kuttelkrieg“ zwischen Preußen und Schwaben im Stuttgarter Tagblattturm. Eberle, ein glühender Anhänger der sauren Kutteln, setzte sie allzu häufig auf den Speisezettel in der Kantine. An diesen „Kutteltagen“ blieben viel Mitarbeiter dem firmeneigenen Mittagstisch fern, schlichen hinüber ins benachbarte Santa Lucia und ließen sich das Essengeld auszahlen. Als Eberle dahinter kam, verdonnerte er die Belegschaft zum Kuttelessen, was mit Dienstreisen und Krankmeldungen quittiert wurde. Das Zwangsessen kam schließlich nicht zustande, weil die Lieferung nicht für alle gereicht hätte - der Kuttelpreis sei so sprunghaft gestiegen, dass nur die Chefetage bekocht werden könnte. Für die anderen gab es Schnitzel mit schwäbischem Kartoffel – und preußischen Gurkensalat. Und künftig stand immer ein „Zweitgericht“ auf der Speisekarte.
Oh heiliger St. Nepomuk-Draufklicken zum Vergößern
 
Zum 100. Geburtstag des Dichters im Jahr 2001 wurde ein „Sebastian-Blau-Wanderweg“ eingeweiht. Er beginnt am Museum Sulemacenna in Rottenburg, führt durch das Kapuzinertor, am „Preußischen“ durch das Fabrikgelände hinauf zur Altstadtkapelle nach Bad Niedernau. Von dort über die Brücke und ein Stück auf dem Radweg, dann hoch und teilweise auf einem sehr schönen Traufweg zur Kalkweiler Kapelle. Den Rückweg kann man über das Weggental oder direkt zurück zur Altstadt wählen. An exponierten Stellen sind Schilder mit Mundartgedichten Eberles aufgestellt, unter anderem „Oh heiliger Sankt Nepomuk“. Erst im Alter verfasste Blau wieder Gedichte in schwäbischer Mundart.



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