Freitag, 10. Mai 2013

Wander- und Ausflugsparadies Hayingen

Vor ein paar Tagen waren wir mal wieder in Hayingen auf der schwäbischen Alb. Hier haben wir zehn Jahre lang wunderbare und erlebnisreiche Kurzurlaube verbracht. Auch diesmal liefen wir den Weg ins Digelfeld hinab, eines der größten und schönsten Heidegebiete der schwäbischen Alb. Inzwischen ist die Ferienwohnung in der Stadtmauer dauervermietet, es gibt nur noch die kleinere mit angrenzendem Jägerstübchen. (Familie Müller). Der Ort ist nach wie vor wunderschön, doch auch ein wenig verlassen, so dass es nicht schaden würde, wenn mein Bericht ein paar mehr Touristen dorthin locken würde. Die erwähnten Gasthöfe haben, wie das "Klosterbräu" in Zwiefalten, teilweise eine sehr alte Tradition.
Tor in Riedlingen
Hayingen

Wer einmal ausspannen will von allem Stress und Getöse der Welt, der sollte sich für ein paar Tage nach Hayingen begeben. Hier tankt man neue Kraft, kann wandern, Klöster, Schlösser und Burgen besichtigen, im Tal der Großen Lauter radeln, den Fluss mit dem Kanu erkunden oder schöne alte Städtchen besuchen. Auch die Großstadt Ulm mit ihrem Münster ist nicht fern. Auf einem Sattel zwischen dem Großem Lautertal und dem Tal der Zwiefalter Ach liegt das ruhige Landstädtchen, das mit seinem prächtigen Rathaus-Fachwerk, Ziegenbrunnen, Zunftstube und St. Vituskirche ein malerisches Ensemble bildet. Es gibt eine schöne, barocke Friedhofskapelle, Reste der Stadtmauer und ein Stadttor. Alljährlich im Sommer finden Aufführungen im Hayinger Naturtheater, in schwäbischer Mundart, statt. In der Umgebung lassen sich zahlreiche Wanderungen unternehmen, zum Beispiel vom Feriendorf „Lauterdörfle“ über das Fichtental mit seinen fast alpin anmutenden Felsformationen hinunter ins Lautertal.Von dort (Grillstelle, Blick auf die Ruine Schülzburg)) immer entlang der Lauter, ohne Autoverkehr, bis zum Wasserfall Hoher Gießen oder bis zur romantisch gelegenen Laufenmühle, einem rustikalen Gasthof mit Biergarten. Der Rückweg läuft parallel dazu über eine Brücke bis nach Hayingen. An schönen Sommertagen flattern Schmetterlinge über die Wiesen, der Fluss mäandert durch das Tal mit seinen blühenden Wiesen. Von einem Wegkreuz oberhalb des Fichtentals kann man auf einem langsam ansteigenden Weg, vorbei am Naturtheater, ohne Straße zurück an den Ausgangsort gelangen. Eine andere, ebenso schöne Wanderung führt vom Wanderparkplatz Digelfeld
Digelfeld
hinunter über die Heide (Standort von Orchideen und Enzianen) ins Glastal mit seinem schattigen Weg, den Höhlen und Gumpen bis zum Schloss Ehrenfels. Es war die Sommeresidenz der Fürstbischöfe von Zwiefalten. Zurück kann man links hinauf wieder nach Hayingen wandern, dabei noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt Lämmerstein machen. 
Fliegenragwurz auf dem Digelfeld
Helm-Knabenkraut
Bei der Laufenmühle beginnt ein Weg durch das Wolfstal, wo im zeitigen Frühjahr die Märzenbecher zu Tausenden blühen. Im Lautertal lohnen die Burgen, wie zum Beispiel Hohengundelfingen, einen Besuch.  
Aber auch in die nähere und weitere Umgebung lassen sich schöne Ausflüge machen. Das barocke Kloster Obermarchtal erhebt sich majestätisch über der Lauter, die sich unweit davon in die Donau ergießt. Am schönsten präsentiert sich das Kloster am Abend, wenn nur noch wenige Besucher da sind. Dann kann man den Storch auf dem Dach klappern hören, sich in den schönen Gärten ergehen oder von der Mauer tief ins Donautal hinunterblicken. 
Inzwischen hat vor dem Tor auch das urige Gasthaus Adler mit Biergarten wiedereröffnet. Die Klosterkirche wurde in den Jahren 1686 bis 1692 gebaut und 1701 geweiht. Heute ist das Klostergebäude eine Lehrerakademie. Michael Thumb war der anfängliche Baumeister, nachdem er die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg bei Ellwangen beendet hatte. St. Peter und Paul ist eine Wandpfeilerkirche des Vorarlberger Baustils, d.h. es gibt eine Vorhalle, drei Langhausjoche mit mächtigem Tonnengewölben, ein ausladendes Querschiff und einen eingezogenen Chor. Der Stuck von Johann Schmuzer (1689) wird aufgelockert durch dichte Akanthusranken, Blattwerk, Rosetten, Lorbeerstäbe und Engelsköpfe. Im Klosterladen werden Liköre, Bücher und alles das verkauft, was ein Pilgerherz nur begehren kann. Draußen vor dem Torbogen befindet sich ein kleines Museum zur Klostergeschichte. Das Renaissanceschloss Mochental, eine ehemalige Probstei, liegt einmalig in die hügelige Landschaft eingebettet. Es beherbergt eine Kunstausstellung, ein Besenmuseum und eine Gastwirtschaft. 
In Riedlingen, wo die Störche daheim zu sein scheinen, wirkt alles schon ein wenig südlicher. Nahe bei Hayingen steht das Kloster Zwiefalten, gestiftet 1089. 


In den Jahren 1741 – 1753 wurde das Zwiefalter Münster durch den Baumeister Johann Michael Fischer neu ausgebaut. Den Innenraum gestalteten bis 1765 Johann Joseph Christian aus Riedlingen (Figurenschmuck), Franz Joseph Spiegler aus Wangen (Deckenmalerei) und Johann Michael Feichtmayr aus Wessobrunn (Stuck). Das Kloster in seiner heutigen Form entstand ab 1668 nach Plänen von Tomasio Camaccio, ausgeführt durch Michael Thumb und Franz Beer. 
Es ist sehr erquickend, im Klostergelände umherzuspazieren. Ein sehr klarer Bach durchströmt es, mit seinem fließenden Hahnenfuß und flitzenden Forellen ein Ort zum Verweilen und zur Besinnung. An heißen Tagen bringen der Badeplatz Bichishausen oder das Höhenfreibad Zwiefalten Abkühlung. Im Gasthof „Kreuz“ isst man gut bürgerlich und kann dort auch nächtigen, ebenso im „Adler“,im Flairhotel Hirsch in Hayingen-Indelhausen oder Gasthof „Klosterbräu“ in Zwiefalten.


Die Wimsener Höhle, auch Friedrichshöhle genannt, zu Ehren von Herzog Friedrich II, der die Höhle 1803 besuchte, ist die einzige mit einem Boot befahrbare Wasserhöhle Deutschlands. Im ahr 1447 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Von ihren 723 Metern Länge sind nicht einmal zehn Prozent für den Besucher zugänglich, da sich etwa 70 Meter hinter dem Eingang die Höhlendecke bis zur Wasserfläche hinabsenkt und der Rest der Ganghöhle nur mit Tauchausrüstung erkundet werden kann. Die Höhle ist ein Quellarm der Zwiefalter Ach, in deren Tal man von Zwiefalten bis zur Wimsener Höhle wandern kann. Im Jahre 1995 wurden in der Höhle Tonscherben und Menschenknochen gefunden, die teilweise aus der späten Bronzezeit stammen. Damals war der Wasserstand tiefer, und man konnte die Höhle trocken begehen. Im Gasthof „Friedrichshöhle“ werden biologische und regionale Gerichte angeboten wie (Stand Frühjahr 2010) fangfrisch geräucherte Forelle, Rollbraten vom Alblamm und schwäbisches Vesperbrett. Dieser Landstrich hat sich vieles von dem erhalten, was in der Vergangenheit liebens- und lebenswert war. Als neuere Beispiele wären die Albbüffel zu nennen, die auch in Hayingen, vom Bauernhof Bruni Kazmeier, gehalten werden. In Indelhausen gibt es einen historischen Alb-Schneckengarten. 
Die Donau bei Riedlingen
 
Mit den Albbüffeln hat es eine besondere Bewandnis. Der Landwirt Willi Wolf siedelte im Jahr 2005 die ersten 30 Wasserbüffel aus Rumänien auf seinen Weiden in Hohenstein an. Diese Tiere waren vor 12.000 Jahren hier heimisch. Daraus wurde eine Erfolgsgeschichte. Zusammen mit Molkerei-Fachfrau Eva Rauscher und Metzgermeister Ludwig Failenschmid gründete er die Albbüffel GmbH, ein vom „Plenum“ gefördertes Projekt. Aus der Milch wird Käse hergestellt. Albzarella heisst die Spezialität des Hauses, hergestellt nach dem Vorbild des italienischen Mozzarella. Zur Schlachtung kommen die Büffel zum Metzgereibetrieb von Ludwig Failenschmid. Die Edelteile vom Büffel sind für den Verkauf im Gächinger Laden bestimmt, weiteres Fleisch für die Gaststätte Hirsch, in der Büffel-Gerichte bereits fester Bestandteil der Speisekarte sind. Unabhängig von den Albbüffel-Rezepten, die inzwischen auch in neueren schwäbischen Kochbüchern auftauchen, möchte ich ein Rezept für Gulaschsuppe vorstellen, das ich einmal für 100 Gäste gekocht habe, an einem warmen Juliabend. Für die Vorbereitung habe ich etwa 2 ½ Stunden gebraucht und das ganze dann in einem riesigen Einmachkochtopf erst kochen, dann lange ziehen lassen. Eigentlich hatte ich gedacht, ich wäre zu nichts mehr zu gebrauchen, weil ich frisch operiert aus dem Krankenhaus kam. Aber den Gästen schmeckte es hervorragend unter dem mitternächtlichen Sternenhimmel, und am nächsten Tag rief mich eine Besucherin an und fragte nach dem Rezept. Ich selbst habe das Fleisch vom Albbüffel noch nicht probiert, aber ich habe gehört, dass es etwas fetter sein soll als herkömmliches Rindfleisch, und es soll ein wenig wildartig schmecken. So sei es jedem überlassen, welche Art von Fleisch er nimmt, falls er meinen Rezeptvorschlag nachkochen möchte.
Für 4 Personen

500g Rindfleisch (Bug, Wadschenkel) oder gemischtes Gulasch

Öl
3 Zwiebeln

2 Knoblauchzehen

2EL Tomatenmark, 2 TL Edelsüßpaprika

2 TL Rosenpaprika

¼ L Rotwein

Salz, Pfeffer
,
1L Fleischbrühe

3 Papikaschoten, grün und gelb

3 Tomaten, gehäutet und gewürfelt

3 Kartoffeln, gewürfelt

Das Fleisch in Würfel schneiden, Zwiebeln, Knoblauch und Fleisch

 anbraten und mit Fleischbrühe aufgießen. Würzen. 20 Minuten vor

 beendeter Garzeit Kartoffelwürfel, Tomatenstücke und 

kleingeschnittenen Paprika dazugeben. Kochzeit: Mindestens 1 ½

 Stunden, bis das Fleisch butterweich ist.

Anmerkung: Eigentlich sollte man den Paprika ebenfalls häuten, da 

der Verzehr der Schale bekanntlich zu Verdauungsstörungen führen 

kann. Aber das dürfte bei einer großen Personenzahl ziemlich 
aufwendig sein.




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