Mittwoch, 30. Mai 2012

Kloster Bebenhausen und das Jagdschloss




Ein besonders schöner Ausflug in die nahe Umgebung Tübingens führt zum Kloster Bebenhausen. Das Kloster wurde vermutlich um 1183/84 von Prämonstratensermönchen gegründet. Im Jahr 1190 übernahmen es die Zisterzienser. Nach Aufhebung des Konvents in der Reformationszeit folgte die Gründung einer evangelischen Klosterschule. Dass es in diesem kalten, feuchten Tal erbaut wurde, ist wohl damit zu erklären, dass die Mönche immer nah am Wasser bauten. So hatten sie sogenannte Schöpfhamen (Netze), mit denen sie ihre Karpfen und Forellen fingen. Im Dormitorium mit seinem Schmuckziegelboden nahm ursprünglich alle Mönche auf, später wurden Zellen eingebaut. Über jeder Zellentür ist ein Antonius - oder Taufkreuz 
 eingraviert.
  
Die Räume enthalten ein oder zwei Betten, sind sonst völlig schmucklos. Geheizt wurde nur das Winterrefektorium. Im Scriptorium gibt es Leinwand, Tafel, Feder, Tintenhorn, Pergament und Bimsstein zum Glätten und Radieren zu sehen. Sehr intime Einblicke in das Leben der königlichen Familie erhält man bei der Besichtigung des Jagdschlosses, ehemals Abthaus. In den Räumen von Königin Charlotte steht ein echter Breughel – „Die Kirchweih“. Dann gibt es Ulmer Barockschränke aus dem 18. Jahrhundert sowie einen Schreibtisch aus dem 16. Jahrhundert. Die Räume waren schon Drehort für einen "Kommissar". Ein Schachspiel fällt ins Auge mit Figuren aus Walrossstoßzähnen, mit denen man gegen Napoleon kämpfen konnte. Die Küche vom Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihrem Speiseaufzug und das moderne Bad sind sehenswert. Im Eingangsbereich hockten die Kutscher und warteten auf die Herrschaften. Ihre Pferde stellten sie in dem überdachten Vorbau ab.Monasterium sine amario quasi castrum sine armamentarium. Ein Kloster ohne Bibliothek ist wie eine Burg ohne Waffen. Leider ging die Bibliothek während der Reformation verloren. Sehr schön der Kreuzgang, das Parlatorium, der Kapitelsaal und der Klostergarten. Schlüpft man durch ein romantisches Törchen am Nordende, gelangt man zu dem Haus, in dem Eduard Mörike wenige Jahre vor seinem Tod zwei Mal weilte. Hier entstand 1863 sein Gedicht „Bilder aus Bebenhausen“. Im Juli 1874 besuchte Eduard die Familie Walther in Bebenhausen bei Tübingen. In dem Klosterdorf bei Tübingen begegnete er noch einmal vielen Menschen, darunter Isolde Kurz, der Tochter seines kürzlich verstorbenen Freundes Herrmann.


Eulenspiegel am Kreuzgang, was? Der verrufne Geselle
Als Gurtträger? Und wem hält er sein Spiegelchen vor?
Einem entrüsteten Mönch, der ganz umsonst sich ereifert;
Immer nur lachet der Schalk, weis’t ihm die Eule und lacht.
Eduard Mörike, Bilder aus Bebenhausen


Vom Haus, in dem Mörike zu Besuch war, hinter der Klostermauer, führt ein Sträßchen zu den Wirtschaftsgebäuden hinab. Zwischen ihnen hindurch beginnt ein Weg, der hinauf um Wald führt. Hier wandert man eine Zeitlang, mit Blick in das tiefer gelegene Wiesental mit Bach. Im Mai ist der Wald vom Knoblauchduft des Bärlauchs erfüllt. Weiter unten trifft man auf den Radweg, hier ist auch eine Grillstelle mit Spielplatz. Man kann nun immer dem Zeichen „Hohenentringen“ folgen. Einmal geht es scharf nach rechts (also nicht („Heuberger Tor“ folgen) und steil hinauf durch den Wald zum Schloss Hohenentringen. Vom Schloss hat man einen herrlichen Blick und kann sich mit Maultaschen, Schlachtplatte, Rahmschnitzel vom Halleschen Landschwein oder Zwiebelrostbraten stärken. Den Rückweg muss an sich erwandern, oder auf dem selben Weg zurückgehen. Auch in Bebenhausen ist die Gastronomie gut vertreten. In der Sonne treffen sich Pilger des Jakobsweges von Rothenburg nach Rottenburg. Die temporäre Tageskarte bietet eine gutbürgerliche schwäbische Küche, es gibt Fremdenzimmer und einen schönen Biergarten. Für gehobene Ansprüche gibt es das Waldhorn vorne an der Straße und das Landhotel Hirsch. Und es gibt weitere schöne Wanderwege in der Umgebung von Tübingen, nicht weit von Bebenhausen zum Beispiel in Einsiedeln mit Kloster, Schloss Graf Eberhards im Barte, der uns noch sehr oft begegnen wird, einem Wanderweg mit Römersteinen und einer Einkehrklause. Im Tal liegt der Badesee von Kirchentellinsfurt, dem beste Wasserqualität bescheinigt wird. 
Kässpätzle
Meine Ex-Schwiegermutter hatte es mir einmal beigebracht, wie man die Spätzle vom Teigbrett in das kochende Wasser bekommt. Früher war es ein Gütesiegel für die schwäbische Hausfrau, das perfekt hinzukriegen. Man muss den Teig nämlich schaben, das heißt mit einem Messer vom Rand des Brettes hinabkratzen.Das Eiweiß wird bis zum letzten Tropfen aus der Schale geholt, wie es sich für eine sparsame schwäbische Hausfrau gehört. Allerdings glaube ich nicht, dass es heute noch so gehandhabt wird, wenn man auch die alten Frauen noch sieht, die samstags auf den Dörfern die Straßen und Gehwege kehren

Zutaten:
400g Mehl
4 Eier
ca. 1/8l Wasser, 1 TL Salz
Salzwasser zum Kochen
250g Zwiebeln, Butter

Aus Mehl, Eiern, Wasser und Salz einen dicklüssigen Teig rühren und 10 Min. ruhen lassen. Spätzlebrett anfeuchte und 2-3 EL Teig dünn darauf verstreichen. Schmale Streifen in das Wasser schaben, aufwallen lassen und mit einem Schaumlöffel herausnehmen. In einerSchüssl warmstellen. Mit 200g geriebenem Emmentaler vermischen, mit goldgelb gebratenen Zwiebeln und einem grünen Salat servieren.











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