Montag, 6. Mai 2013

Eine Fußreise auf der schwäbischen Alb



 Wer sich einmal total verzaubern lassen will, der unternehme im Wonnemonat Mai eine Fußreise auf der schwäbischen Alb. Beginnen wir sie mit einer Latte Macchiato im Hotel "Fürstenhof" von Bad Imnau. Dieser Kurort liegt im Eyachtal, einem Seitental des Neckars, und ist von Tübingen, Rottenburg oder Horb aus leicht zu erreichen
 Bad Imnau verfügt über ein Stahlbad und darüber hinaus über einen ganz bezaubernden kleinen Kurpark, wo immer die ersten Frühlingsblüher stehen und wo ein Kräutergarten das ganze Jahr über Einblicke in die Geheimnisse der Würz- und Heilkunst gibt.

Weiter geht es über Bisingen (bei Balingen) auf die schwäbische Alb - ein ungeheurer Aufstieg in steilen Serpentinen. Etwas moderater kommt man über Balingen nach Pfeffingen. Wir sehen beim Hinauffahren, dass die Vegetation immer weiter zurückbleibt, im Schnitt sind es zwei Wochen. Also kann man in diesem Mai 2013, der durch den langen, kalten Winter bis in den späten April hinein sowieso zurück ist, oben noch Veilchen, gelbe und weiße Anemonen, die Frühlings-Platterbse und den Frühlings-Enzian sehen. Wir passieren den Parkplatz bei Zitterhof, der seit Einführung des Konzeptes "Traufwege" bei jedem Sonnenstrahl überfüllt ist. Am Parkplatz bei Pfeffingen gehen wir los. Diese Tour ist wohl schon länger kein Geheimtipp mehr, denn auf unserer Wanderung begegneten wir etwa dreißig Menschen in einer Gruppe, die dann weiter oben auf eine weitere halbe Hundertschaft von Wanderern traf und mit ihnen den neuesten Wanderklatasch austauschte.


Die Wanderung ist wenig spektakulär und eher etwas für Blumenliebhaber und Freunde schöner Landschaftsbilder. An der Schnabelhütte vorbei geht es auf einem Schotterweg in den Wald hinein. Den Schäferkarren, hier für die Waldarbeiter abgestellt, könnten wir gut für Exkursionen und stille Wochenenden gebrauchen!


Der Wald wird hier Hangbuchenwald genannt und er hat seine ganz eigene Vegetation. Neben oben genannten Pflanzenarten gibt es Wolfsmilch, Bärlauch und Lungenkraut, Veilchen in wahren Massen am Wegrand. Bald weist ein Pfeil zu einem Brunnen mit Bank und schöner Aussicht auf die Berge der Alb.



Je mehr wir uns dem eigentlichen Naturschutzgebiet am Irrenberg nähern, desto märchenhafter wird der Wald. Hier stehen die Buchen glatt und
senkrecht wie von Menschenhand aufgetsellt. Unendliche Teppiche des Bärlauchs breiten sich darunter aus und verströmen einen intensiven Duft nach Knoblauch. Sie ahben schon Knospen angesetzt, und bald werden filigrane weiße Blüten den Waldboden bedecken.



Hier sieht man ganz deutlich den Unterschied zwischen dem Bärlauch und den Blättern des Maiglöckchens. Die Maiglöckchenblätter kommen zusammengerollt aus dem Boden und haben keinen Knoblauchgeruch.


Weiter geht es in das Naturschutzgebiet hinein. Die Wiesen werden von den Naturschützern gepflegt, Schafe weiden auf den Hängen und halten das Gebiet waldfrei. Seltene Blumen wie Orchideen oder den Frühlingsenzian lassen sie stehen, weil sei zu bitter sind.

Ein richtiger, schöner Frühlingsweg! Nach Austritt aus dem Wald sind die Weg von Traubenhyazinthen gesäumt, die Küchenschellen sieht man nur noch als verblühte, fedrige Reste. Etwas später kann man hier auch Trollblumen sehen. An Herzschlag und Atemfrequenz wird man feststellen, dass es die ganze Zeit fast unmerklich bergauf gegangen ist. 





Der weiße Steinbrech





Die schwäbische Alb ist ein Land der hohen Himmel und Wolken, speziell hier am Irrenberg und bei der Salmendinger Kapelle ein Stück weiter Richtung Süden. Es ist überdies ein Land, in dem man hervooragend Krimis und historische Romane ansiedeln kann. So beginnt auch mein Roman, den ich schon lange schreiben wollte, in diesem Gebiet.





Inzwischen sind wir oben auf dem
Irrenberg angekommen. Man kann
sich nun nach rechts wenden und
zum Trauf hinübergehen.
Dort steht eine Bank, die für uns
die "Wintervesperbank" heißt.
Für den Rückweg gibt es nun mehrere Möglichkeiten. Entweder man dehnt die Wanderung noch aus und geht zurück zu den Hinweisschildern und am Pumpwerkhäuschen vorbei zum Trauf. Er bietet einen schmalen, meist trockenen Weg mit fantastischen Ausblicken ins Tal. Auf halber Höhe ste
ht ein Stein zum Gedenken an eine Frau in den Fünfzigern, die hier im 19. Jahrhundert in einer Oktobernacht abstürzte.
Was uns immer wieder zu der Frage führte: Warum um alles in der Welt ist diese Frau dort hinabgestürzt? Die wahre Antwort werden wir wohl niemals finden.
In Höhe der Bauernhöfe kann man zu einem geteerten Weg gelangen, der steil zu dem Wanderparkplatz zurückführt. Folgt man von der Bank am Trauf einem Wiesenweg, kann man nach einiger Zeit den Crisie- (Kirschen-)weg hinunersteigen und links auf dem Schnabelweg zurückgehen. Unsere geheime Variante ist nicht leicht zu finden, aber die schönste von allen. Auf dem Mountainbikeweg, dessen Name uns ein Hundebesitzer verriet, geht es durch lichten Buchenwald auf einem Grat über den beiden Tälern und dann steil hinab zum Parkplatz. Man sollte gut ausgerüstet sein, denn es gibt Passagen, in denen der Weg schweißtreibend ist und solche, auf denen ständig ein mehr oder weniger kalter Wind bläst - wie auf der Höhe des Irrenbergs. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten. Man kann die Fußreise bei einem Vesper in Bisingen, in Balingen oder an einem anderen Ort beenden. Wir nutzten die letzten warmen Sonnenstrahlen und kehrten endlich einmal im Brauhaus der Mönche, dem Klosterbräu in Zwiefalten ein. Hier, direkt am Kloster mit seiner prachtvollen Barockkirche, dem klaren Bach und den stillen Winkeln, wird seit über 400 Jahren gebraut und ausgeschenkt. Zum besonderen Anlass ließ ich mir saure Kuttel mit Bratkartoffeln schmecken, mein Begleiter ein Filettöpfle mit Nudeln vom Bauern.

Ausgangspunkt: Parkplätze am Zitterhof oder bei Pfeffingen Richtung Balingen.
Wanderstrecke 7-10 Km.

1 Kommentar:

  1. Die Schwäbische Alb, genau wie der Schwarzwald, sind ungemein schöne Gegenden. Es ist eine Form der Bevorzugung oder gar Belohnung, in diesesn Breiten leben zu dürfen :o)
    Schöne Fotso und Bericht!

    AntwortenLöschen