Dienstag, 28. Oktober 2014

Madeira-über das wilde Kap von Sâo Lourenço

Montag, 6. Oktober

Glücklicherweise verfügt Machico nicht über ein ausuferndes Nachtleben, einmal abgesehen von den nächtlichen Klängen aus der Pianobar des Hotels "Dom Pedro". So sind wir schon früh unterwegs zur Ponta de Sâo Lourenço, das nur wenige Kilometer entfernt ist. Die Wegstrecke ist total überschaubar, die Wanderführereinschätzung lautet "leicht bis mittelschwer"-Letzteres zu recht, nämlich 300m hinauf, 300m hinunter! Die Tücke liegt darin, dass der ganze Weg völlig schattenlos ist, die Sonne also die ganze Zeit auf den Schädel brennt, und sie liegt auch in den vielen, vielen Treppen. 
Das Kap von Sao Lourenco, ganz hinten die Casa Sardinha

Der Weg ist uneben und steinig, dafür sind die Ausblicke umso imposanter. Wir stellen also den Wagen auf den Parkplatz oberhalb des Wanderweges. Der scheint äußerst bekannt und beliebt zu sein, denn es kommen uns viele Wanderer, teils schweißüberströmt und mit erschöpften Gesichtern, entgegen. Und es laufen viele, viele mit uns den steinigen Weg. Runter und hoch und wieder runter. Dann kommt eine Stelle, an der man die steilen Felsen der Nordküste sehen kann; ein erfrischender Wind bläst die Hitze aus dem Körper und den Schnupfen aus der Nase. 
Aussichtspunkt mit Wind
Einige Kilometer weiter, hoch und runter und wieder hoch, ist das Ziel der Wanderung in Sicht: die palmenumstandene Casa Sardinha, eine Oase in der Meeres- und Steinwüste. 
Casa Sardinha

Die wilde Nordküste
Pflanzen, die sich in Felsen krallen
Später gelangten wir zu einem schmalen Grat, der an beiden Seiten steil abfällt und spektakuläre Blicke bietet. Er ist mit Drahtseilen gesichert. Zur Casa Sardinha geht es über eine steppenartige Hochfläche. Zu Hunderten huschen Eidechsen herum, die Vegetation ist karg und stachelig. In der Casa (endlich eine Toilette für einen Euro!) machen wir Mittagspause, herrlich entspannt im Palmenschatten. Auf die Besteigung des nächsten Gipfels verzichte ich und schlage mich stattdessen in die Felsen oberhalb der Klippen. David nimmt den Gipfel noch in Angriff, von oben gibt es fantastische Ausblicke auf den Rest der Landzunge und die Islas Desertas, die verlassenen Inseln.



Hier sieht man deutlich, wie das Magma einst den Vulkanschlot durchschlug

Es ist ein Augenblick für mich, in dem ich alles Vorgewesene vergesse und nicht an das denke, was kommen wird. Ich liege im warmen Gras, höre das Rauschen der Brandung weit unten, höre das Rascheln der Eidechsen und rieche den Maggigeruch der Macchia. In der Casa kann man ein kleines Museum besichtigen und sogar übernachten, mit angeschlossenem schwarzen Steinstrand weit unter am Meer. Aber alles ist einmal vorbei, und wir treten den Rückweg über die vielen Treppen an, hinauf und wieder hinunter. Da gab es schon Momente, in denen ich meine Grenzen gespürt habe. 

Strand der Casa Sardinha
Beim letzten langen Bogen vor der Aussichtsstelle mit den einzelnen Felsen in der Brandung sehen wir eine Frau, die mit Nordic-walking-Stöcken daherkommt. Nein, es ist kein Spaziergang, denn plötzlich ertönt ein Schrei, und die Frau stürzt ein Stück den Abhang hinunter. Wir eilen zu Hilfe, aber ihr Begleiter hat sie schon fest an der Hand. Wir warnen die beiden, dass der Weiterweg nicht unbedingt einfacher wird, und sie beschließen, bald umzukehren. Dann ist der letzte Anstieg auf Holzbohlen geschafft! Am Schluss werden unzählige Steinmännchen über uns sichtbar, die über die eifrigen Wanderer zu lachen scheinen. 
Steinmännchen
Wir sinken auf ein Mäuerchen am Straßenrand. In einem Wagen werden Eis und kalte Getränke verkauft. Nie hat mir ein Eis köstlicher geschmeckt als nach dieser doch recht anstrengenden Wanderung, aber nie war ich auch stolzer und glücklicher, es geschafft zu haben. Ein Stück weiter befindet sich eine "Prainha", ein kleiner, schwarzer, glitzernder Sandstrand, der am Wochenende überfüllt ist. Auch hier geht es wieder fast 100 Höhenmeter auf Treppen hinab (und wieder hinauf). Es erinnert mich ein wenig an Deja auf Mallorca, damals noch ein Geheimtipp, wie auch hier mit einer weißen Wirtschaft, großer Terrasse, Speisen und Getränken. Die Wellen schlagen an den Strand. Es ist eine Wohltat, in dem etwa 22° warmen Wasser zu schwimmen, sich treiben zu lassen, den Wolken am Himmel zuzuschauen, die wie jeden Tag vom Inselinneren auf die Küste zudrängen. Aber sie erreichen nicht das langestreckte Kap, das infolgedessen so kahl ist, und regnen sich stattdessen in den hohen Bergen ab. 

Ausgangspunkt: Parkplatz Ponta de Sâo Lourenço, Abzweigung an der Straße von Machico nach Porto da Cruz
Gehzeit: einfach 1 1/2 bis 2 Stunden
Gut markierter und gesicherter Wanderweg
300m Höhenunterschied
Wanderausrüstung
Kein Schatten, keine Einkehrmöglichkeit 

Erste Wanderung: Entlang der Levada von Ribeiro Frio nach Portela

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