Sonntag, 2. Oktober 2011

Aalen, Kloster Neresheim und Christian Friedrich Daniel Schubart


Die Abtei Neresheim

Es gibt gute Gründe, einen Tag, einen Nachmittag oder auch ein Wochenende in der Stauferstadt Aalen zu verbringen. Schon 1360 wurde Aalen das Stadtrecht verliehen. Dieser Ort am Ostrand der Schwäbischen Alb hat Flair, und zwar nicht nur durch seinen Marktplatz, den Brunnen, das Rathaus und die Kirchen, sondern auch wegen seiner Museen, wegen der Therme, der vielen Cafés und Restaurants. Im Sommer kann man um den Rathausplatz herum draußen sitzen und gutbürgerliche, internationale oder schwäbische Gerichte verzehren, zum Beispiel im Café-Bistro zum Spion. Aalen ist eine Stadt, der im Krieg Substanz verloren gegangen istauch merkt man den Standort der Eisenhüttenwerke. Am Turm des Rathauses erinnert eine Büste an den Spion von Aalen, der pfeiferauchend, kopfdrehend und Grimassen schneidend über die Geschicke der Stadt wacht. „Grüß Gott, ihr Herren! Ich bin der Spion von Aalen“, soll ein ausgewählter, schlauer Bürger im Heerlager des Kaisers gesagt haben, als der wieder einmal wegen einer Unbotmäßigkeit in die Stadt marschieren wollte. Und dass er auskundschaften wolle, wie viele Geschütze der Kaiser in seinem Heerlager habe. Ob solcher Pfiffigkeit soll der Kaiser auf die Einnahme der Stadt verzichtet haben. Es wird jedoch vermutet, dass es eine Ortsneckerei, ein Wanderschwank sei, der den Aalenern von ihren Gmünder oder Ellwanger Nachbarn angehängt wurde. In der Dichtung „Die sieben Schwaben“ von Karl Simrock heißt es:
„Da möchtet ihr dann mit Vergnügen lesen,
Wie der Spiegelschwab einst ein Spion ist gewesen,
Und auch gleich beim Einpassieren frei,
Kloster Neresheim
Am Thor bekannte, das er der Spion von Aalen sei.“(Berlin 1872, S. 293)
Eine andere Variante über den Aalener Spion lautet:
Er solle, durch das ständige Hin- und Herblicken, von seinem Platz auf dem Rathausturm anrückenden Fremden bedeuten, dass die Stadt dauernd bewacht werden würde. Und wer ein Souvenir aus Aalen mitnehmen möchte: Die Konditorei Amman stellt das Aalener Spionle her, neben Pralinen, Torten und Marzipankunst. Im Rathaus selbst ist das Urweltmuseum untergebracht, das größte Museum für Paläontologie und Geologie in Baden-Württemberg. In Aalen befanden sich einmal die bedeutendsten deutschen Eisenerzgruben, wovon heute noch das Schwäbische Metallhüttenwerk Wasseralfingen zeugt. Die Sammlung auf drei Stockwerken gibt einen hervorragenden Überblick über den Aufbau des Schwäbischen Schichtstufenlandes, vermittelt geologische Grundkenntnisse und erklärt fossile Organismen.
Besonders auch für Kinder sind die Versteinerungen von Sauriern, Tintenfischen, Seelilien und Riesenammoniten hochinteressant. Nachdem man in die Urgeschichte der Stadt eingetaucht ist, kann man sich auf den Spuren der Römer weiterbewegen. Im Jahr 150 n. Chr. errichteten die Römer hier ihre Zweite Flavische Reiterei, die Ala II Flavia Militaria. So entstand auf dem Gelände dieses Reiterkastells das größte Römermuseum Süddeutschlands. Man kann sich dort als Römer verkleiden und hautnah in die Geschichte der Provinzen Rätien und Obergermanien sowie in das Leben der Soldaten und römischen Bürger eintauchen. Hier kann der Interessierte die Besetzung Süddeutschlands durch die Römer im 2. Jahrhundert n.Chr. miterleben. Es gibt Stoßlanzen und Schwerter zu sehen, Kettenpanzer und mit Spikes benagelte Sandalen, Goldschmuck, Münzen, Grabsteine und eine meterhohe Jupitersäule. Die Besatzung der Limestürme verständigte sich durch Feuersignale und Hornblasen. Wurflanzen dienten als Angriffswaffen. Ferner gibt es ein Lagerdorf mit Handwerkern wie Töpfern, Schmieden, Metallgießern, Glasmachern, Sattlern und Steinmetzen. Es werden Speisen nach Rezepten des Apicius hergestellt sowie römischer Schmuck. Höhepunkt ist ein Schatzfund aus Buch, in dem sich ein römisches Kastell befand. Im Freigelände befand sich das größte römische Reiterkastell nördlich der Alpen. Das Stabsgebäude mit einem gut erhaltenen Fahnenheiligtum wird auf einem Rundweg erklärt.
Hat man nun den Geruch vergangener Jahrhunderte eingeatmet und denkt, ein klein wenig gebildeter nach Hause zu kommen, kann man in der Limestherme im wahrsten Sinn des Wortes abtauchen. Die Becken, die römisch-antiken Vorbildern nachempfunden sind, werden von 34°warmem Thermalwasser aus einer Tiefe von 600m gespeist. Eine Kneippanlage, Saunen, Solarien, ein römisch-irisches Dampfbad, kostenlose Aqua-Gymnastik, eine physikalische Abteilung und vieles mehr machen den Besuch der Therme zu einem unvergesslichen Erlebnis. Für Essen und Trinken ist im Bad-Restaurant mit einer schönen Freiterrasse gesorgt. Auch ein Dichter, Journalist und Musiker, sogar ein recht revolutionärer, war in Aalen daheim. Christian Friedrich Daniel Schubart verbrachte in dem Haus Rossstrasse 4 seine Kindheit von 1740 an. Über die Stadt Aalen äusserte sich Schubart in seinen Memoiren: „In dieser Stadt, die verkannt wie die redliche Einfalt, schon viele Jahre im Kochertale genügsame Bürger nährt - Bürger von altdeutscher Sitte, bieder geschäftig, wild und stark wie ihre Eichen, Verächter des Auslands, trotzige Verteidiger ihres Kittels, ihrer Misthaufen und ihrer donnernden Mundart, wurd ich erzogen... Was in Aalen gewöhnlicher Ton ist, scheint in anderen Städten trazischer Aufschrei und am Hofe Raserei zu sein. Von diesen ersten Grundzügen schreibt sich mein derber deutscher Ton..." Und über seine Schulzeit schrieb er: "In meinen jungen Jahren liess ich wenig Talent blicken, dagegen mehr Hang zur Unreinheit, Unordnung und Trägheit. Ich warf meine Schulbücher in den Bach, schien dumm und trocken, schlief beständig, liess mich schafmässig führen, wohin man wollte, und konnte im 7. Jahre weder lesen noch schreiben. Plötzlich sprang die Rinde... Im 8. Jahr übertraf ich meinen Vater schon am Clavier, sang mit Gefühl, spielte Violin, unterwies meine Brüder in der Musik und setzte im 9. und 10. Jahre Galanterie- und Kirchenstücke auf..." Später sollte er wegen „ungezügelten Benehmens“ und Verfassung satirischer Schriften in Blaubeuren auf Weisung von Herzog Karl Eugen entführt und für zehn Jahre auf den Hohenasperg verbracht werden, von wo er gebrochen an Leib und Seele zurückkehrte. Ihm wurde dann ein Posten als Musikdirektor in Stuttgart angeboten.
Wenn dem Gast danach zumute ist, sich zu bewegen, die Last des Alltags für ein paar Stunden abzuschütteln, kann er am Ufer des Kochers spazieren gehen, wandern oder Radfahren. Es gibt Wochenendarrangements, bei denen ein Fahrrad gestellt wird oder gemietet werden kann. Wenden wir uns nun der Umgebung Aalens zu.

Umgebung:


Etwa 20 km von Aalen entfernt liegt die Abtei Neresheim,
einer der schönsten Kirchenbauten Süddeutschlands. Balthasar Neumann lieferte die Entwürfe für den Bau, Martin Knödler aus Südtirol malte die Kuppel mit einem Deckengemälde aus, und Dominikus Zimmermann ist der Stuck in Kirche und Kloster zu verdanken, seiner einzigen Arbeit nach Vollendung der Wieskirche. Wenn man sich dem kleinen Erholungsort nähert, sei es zu Fuß, per Fahrrad, Auto oder Bus, steigt der Turm der Klosterkirche steil in den Himmel, daneben reihen sich die massigen Barockgebäude. Die Kuppel mit den himmlischen Gemälden macht den Betrachter fast schwindlig.
An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen sind Führungen durch das Kloster möglich, unter der Woche nur nach Voranmeldung. Dabei gibt es u.a. den Armariensaal, einen Prunksaal von Dominikus Zimmermann und die sieben Ölbilder von Martin Knödler zu sehen, die er als Vorarbeit für das Deckengemälde anfertigte. In der Klosterschänke werden schmackhafte und preiswerte Gerichte serviert.

Die Umgebung lädt zum Urlauben ein, es gibt Wacholderheiden mit Orchideen,
und in Neresheim und den umliegenden Ortschaften ist noch so manches
Kleinod, sei es Kirche oder Museum, zu entdecken.
Gewaltig stehen über dem Kochertal Renaissanceschloss und Barockkirche Hohenstadt. In dem kleinen, bäuerlichen Ort kann man eine Ferienwohnung mieten, Stille und Landleben genießen, den Kocher-Jagsttalradweg erkunden oder bei sommerlichen Temperaturen zum Hammerschmiedesee fahren. Ein innerer Vorbeimarsch, den ganzen Tag auf einer Luftmatratze im See zu treiben, zu schwimmen und den Wolken nachzuschauen.
Weitere Ausflugsziele: Ellwangen mit seinem pittoresken Stadtbild, der St. Veitskirche aus dem 13. Jahrhundert, drei weiteren Kirchen, dem bedeutenden Alamannenmuseum sowie Schloss Ellwangen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Zusammen mit der Wallfahrtskirche Schönenberg liegt es in exponenter, aussichtsreicher Lage. Im Ellwanger Seenland kommen Wassersportler, Schwimmer und Erholungssuchende auf ihre Kosten. Am Südufer des Bucher Stausees wurden Grundzüge des römischen Kastellbades und des Kohortenkastells Buch freigelegt. An diesem See gibt es einen Badebereich, Segeln und Surfen sind möglich. Im Wald von Mahdholz nordwestlich von Rainau-Buch kann man Teile der restaurierten Limesmauer sowie einen hölzernen Wachtturm besichtigen. Das alles gehört zum Römischen Freilichtmuseum Rainau-Buch, in dem sich dem Wanderer die Überreste der römischen Bauten erschließen.


Stadt Aalen
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73430 Aalen

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Fax: 07361 52-1907
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Montag bis Freitag, 9 bis 17.30 Uhr
Samstag, 9 bis 12.30 Uhr












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