Samstag, 20. August 2016

Kleine Reisefluchten und Abenteuer

Portal des Erfurter Doms
Kaum waren wir zurück von einem mehrtägigen Kulturtripp, meldete das Fernsehen, dass eine halbe Million Besucher auf der Gamescom  in Köln gewesen sei. Youtube-Filmemacher würden gefeiert wie Popstars, und mit neuen speziellen 3D-Brillen könne man in nie gesehene Parallelwelten eintauchen. Ich kann das sehr gut verstehen, dass man neue, aufregende Parallelwelten braucht, wenn die reale Welt so grau und langweilig geworden ist! Und ich sehe auch Übereinstimmungen bei der alten und der jungen Generation. Der Mensch braucht mehr als körperliche Versorgung, Beschäftigung und Zuwendung, nämlich Abwechslung und Anregung, um nicht in lähmende Gewöhnung zu verfallen. Ich selbst lebe ja seit langen Jahren in der Parallelwelt des Schreibens und des virtuellen Austauschs. Und bekanntlich versuche ich auch seit langen Jahren, immer wieder daraus hervorzubrechen und die bald verlorenen letzten Paradiese zu finden. Auch in einer übervölkerten autobesessenen Nation musste es doch möglich sein, ein paar Orte zu entdecken, an denen die berühmte Seele noch ein wenig baumeln kann. Und wo man etwas anderes erlebt als an den übrigen 360 Tagen des Jahres. Es war der gefühlte zehnte Versuch. Tasche gepackt, raus aus dem Haus auf die Autobahn. Ziel: Die unbekannte Saale, mit ihrer anderen Landschaft, fremden Städten, Burgen und Menschen. Innerhalb dreier Stunden erreichten wir Meiningen in Thüringen. Dorther stammt der Urvater meiner Familie, ein Gastwirt zum Wilden Mann namens Luz, verbürgt für das Jahr 1521. Er dürfte den Bauernkrieg noch erlebt, wenn nicht überlebt haben. Beim ersten Besuch dieser Stadt (vor acht Jahren) gelangten wir auf einen weiten Platz mit einer Kirche und einem Rathaus. Außer ein paar angetrunkenen Jugendlichen befand sich niemand dort, zu essen bekamen wir irgendetwas Grauenhaftes von einem Chinesen. Aber es lag ein etwas angestaubter Zauber über diesem Ort. Diesmal kamen wir gar nicht erst hinein, alles voller Baustellen und umherirrender Autos.

Schnell weiter nach Schmalkalden, bekannt wegen des Schmalkaldischen Krieges. Auch dieser Ort war uns vertraut. Damals ein altes Schloss mit Schlossführer und Geschichten über Iwein, stille, zu stille malerische Gassen, ein Café, ein, zwei Restaurants. Dazu viel über Luther und Geschichte. Diesmal quoll der Ort über vor Tausenden von Touristen. Wie das, an so einem "langweiligen" Platz? Der Grund wurde schnell ersichtlich: Viele neue Hotels und Gaststätten in alten Gemäuern, Eisdielen noch und noch, Andenkenläden, eine Touristenbahn, Schmuck- und Kleidergeschäfte. Das machte einen überaus heiteren und neuartigen Eindruck, dazu noch das bombige Wetter bei 21-23°. Wir quartierten uns im Hotel "Patrizier" aus dem 16. Jahrhundert ein, in einer nicht gerade billigen, aber herzoglich eingerichteten Suite mit Alkoven und imitierten Louis - IV-Stühlen. Beim Abendessen auf dem Marktplatz war der ganze Spuk schon verschwunden, ein kalter Wind kam auf und gegen 22.00 wurden sämtliche Bürgersteige hochgeklappt. Wir tranken Bier in der Suite, hingen aus dem Fenster und lauschten gebannt dem Nachtleben dieser wunderbaren Stadt. Gegenüber hinter einem Fenster saß ein Mensch in einem Flur und schaute anscheinend auf einen Fernseher, der aber nicht zu sehen, redete mit einem Menschen, der nicht zu hören war und verschwand manchmal durch eine Tür. Irgendwann sah man gelbliche Knochen auf dem Boden liegen, aber in Wirklichkeit war das ein schlafender Hund, der nicht mal mit den Pfoten zuckte. Im Zimmer schrie ein Kind, ein anderer Mann wurde sichtbar. Unten auf der Straße näherte sich eine Frau, richtete eine Taschenlampe auf einen Zettel des Nachbarhauses, schrieb etwas auf, leuchtete wieder mit der Taschenlampe, schrieb wieder etwas auf. Dann schaute sie sich vorsichtig um und stöckelte weiter. Eine Fledermaus flog fast in unser Fenster hinein. Mit das Beste am Reisen ist übrigens immer das Hotelfrühstück, die Beeren, Früchte, Yogurts, Brötchen, Säfte, Brotsorten, der Speck und die Rühreier, die Frikadellen, die Wurst und der Käse treiben überall die Zimmerpreise in die Höhe.

Nun waren wir ernsthaft gewillt, die Saale mit ihrem hellen Strande, ihren Burgen, Städten und fremden Menschen zu erreichen. Fuhren endlose Umwege, da überall gesperrt und nicht richtig umgeleitet wurde. Ob die anderen das mit ihren Navis schafften? Offensichtlich nicht, denn es waren genügend gestresste und wütende Gesichter zu sehen. Allerdings wird in Thüringen nicht genötigt beim Autofahren, und auch sonst sind die Menschen sehr zuvorkommend und herzlich. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir erreichten die hellen Strände der Saale niemals! Der Thüringer Wald wirkt auf uns verwöhnte Älbler und Schwarzwälder wie ein Holzanbaugebiet. Alternativ landeten wir beim Erfurter Dom, einem gewaltigen Meisterwerk mit gotischer Kathedrale gleich daneben. In Erfurt hatten wir schon zauberhafte Stunden verlebt. Jetzt war es rappelvoll, der Domberg war mit Theatergerüsten, blauen Kunstoffhütten und Kinderrutschen verstellt. Also die Kirchen besichtigt, einen Cappuccino genommen und hurtig die Flucht ergriffen. Weiter ging es zügig nach Süden, alle Schilder über der Saale helle Strände ignoriert, da die Landschaft des Erfurter Beckens flach, grau und staubig wirkte. Einzig der Städte wie Weimar, der Bachstadt Arnstadt, Eisenach und einiger anderer wegen lohnt sich ein Besuch dieser Gegend. Und freie Unterkünfte gibt es auch in der Hauptreisezeit; das beste und beliebteste Essen ist die Thüringer Bratwurst.
Erfurter Dom
Bamberg
Eine relativ freie Autobahn brachte uns in immer grünere Gefilde. Fichtelgebirge, Frankenwald, Bayreuth, Kulmbach, ein Abstecher ins feierabendliche, pulsierende, Bamberg, das wie ein begehbares Mittelalter wirkt. 

Der Verkehr und die Umleitungen schleuderten uns von einem unbekannten Ort zum anderen. Völlig entkräftet hielten wir im bezaubend-verschlafenen Kurstädtchen Bad Windsheim an, um eine Unterkunft zu suchen. Wieder war es ein herrschaftliches Haus namens "Reichstatt", sehr liebevoll und elegant mit einem Spaliergärtchen und Balkons ausgestattet. In dieser Stadt wurden allerdings schon um 21.30 die Stühle hochgeklappt, und wer wie wir dann noch nicht schlafen gehen will, der muss sich
Bad Windsheim
mit einer Bar begnügen, in der die Dartpfeile flogen und kichernde Mädchen vor der Tür rumhingen, bis der Besitzer kam und zur Ruhe mahnte, was auch sogleich befolgt wurde. Auch in diesem Hotel das traumhafte Frühstück, bereichert durch diverse Salate. Ein Rundgang am sonnigen Morgen bestätigte den Einduck: ein wunderschönes fränkisches Städtchen mit unverdorbenem Lebensstil und netten Menschen. Wer Ruhe sucht, wird sie dort ganz gewiss finden!

Die letzte Etappe führte durch das Taubertal, nun wieder allmählich der Heimat zu. Flache, bewaldete Bergrücken, Weinterassen, Steinriegel, dann wieder kleine Seen, uralte Gemäuer und Brückenheilige, Schmetterlinge, Blumenwiesen und Ruhe. Allerdings geht die Ruhe so weit, dass die Gasthäuser ihre Köche schon um 13.00 nach Hause schicken, weil eh kaum noch jemand kommt. Das Paradies wird durch Entzug der Lebensgrundlagen, nämlich des Tourismus, erkauft. Und es ist ein wahres Paradies!
Röttingen
In Röttingen, von einer alten Stadtmauer umschlossen, gibt es Tore und Winkel, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Und alles überschattet von dem großen, uns sehr bekannten Rothenburg, das von Bussen und Touristen aus aller Welt tagtäglich zu Tausenden gestürmt wird. Man muss nur ein paar Schritte hinuntergehen und steht in einem Tal mit einem Himmel, der weiter und höher wirkt als der unsrige. Nicht umsonst hat der Dichter Eduard Mörike Bad Mergentheim zum Wohnsitz erwählt, denn im Tauberta sei das Klima günstiger. Hier regne es viel weniger als anderswo, erklärte uns heiter ein Mann, deshab gedeihe auch der Win so gut. Dort sollte man ein Häuschen haben, im Garten sitzen, nachdenken, schreiben, basteln, kochen, radfahren, mit dem Nachbarn schwätzen und ab und zu in die große laute Welt eintauchen, die reale und die virtuelle. Und sich dazwischen hin - und herbewegen wie ein Aal im glasklaren Bach. Oder wie ein Vogel, der ohen Rücksicht auf heimatliche Bande immer wieder nach Süden fliegt.

Rothenburg o.d. Tauber

(Beitrag übernommen aus meinem Autorenblog "Schreibteufelchen")




Sonntag, 31. Juli 2016

Im Reich der Meerengel

Eine sehr schöne und informative Wanderung führt über den Westerberg oberhalb von Nusplingen/Bäratal/Schwäbische Alb. Der insgesamt 10 Kilometer lange Wanderweg wurde 2005 eingeweiht. Auf dem Lehrpfad kann man sich in die Jura-Zeit vor 150 Millionen Jahren zurückversetzen, als sich hier eine Inselwelt mit einer tropischen Lagune befand. Dort gab es Meereskrokodile, Flugsaurier, Ammoniten (Tintenfische), rochenartige Meerengel und Krebse. Siehe zum Hintergrund: Im Reich der Meerengel. Eine einmalige Tour für Naturliebhaber und für geologisch Interessierte! Wir beginnen die Tour am liebsten auf dem Wanderparkplatz Laisenberg oberhalb von Nusplingen. Nach einigen 100m in Richtung Westen zweigt ein Weg nach rechts ab, der uns zum Steinbruch führt. Hier erhalten wir interessante Informationen zu dem Gebiet wie auch an vielen anderen Stellen. Allerdings darf man nicht selbst nach Fossiien suchen. Wir durchqueren Wiesen, die im Sommer voller Blüten stehen die Grillen zirpen und Schmetterlinge gaukeln herum. Es duftet nach Erde und Heu. Man muss eigentlich nur noch den Hinweistafeln folgen - eine übersichtliche Wanderkarte befindet sich im Link. Später folgt eine Anhöhe mit der Darstellung der Lagune. Der Rückweg führt durch einen schattigen Mischwald mit weiteren Aussichtspunkten und einem Abstecher zum Tnnenfelsen, auf dem früher ein Schloss gestanden haben soll. Ich stelle die einzelnen Punkte hier anhand von Fotos mit kurzen Erläuterungen vor. Einkehrmöglichkeiten in Nusplingen. Anfahrt: Von Balingen Richtung Sigmaringen. in Nusplingen den Hinweistafeln folgen.










Im Zauberwald

Blick auf Nusplingen

Sonntag, 29. Mai 2016

Romantische Wege: der Aachtopf

Am vergangenen Mittwoch wollten wir die guten Wetteraussichten nutzen und fuhren auf der Autobahn Stuttgart-Singen hinunter Richtung Bodensee. Wir erwarteten nicht, wirklich dorthinzukommen, denn bekanntlich ist Deutschlands beliebtester See an Feiertagen und in den Ferien rundherum überlaufen. Also eine "Fahrt ins Blaue". Wir kamen zügig voran, nur die großen Schweizer Kisten überholten andere auf halsbrecherische Weise. In ihrem Heimatland dürfen sie nämlich nicht so schnell fahren. Auf der Höhe von Engen begann dann auch der erwartete Stau. Wir verließen die Autobahn und wandten uns Richtung Aach, das uns mit seiner größten Quelle Deutschlands noch von früher her bekannt war. Es ist unglaublich, welche Ruhe und welche Idylle uns dort erwarteten. Alles Wissenswerte über den Aachtopf kann man über die Webseite erfahren: Aach und Aachtopf. Die Besonderheit des Aachtopfes liegt darin, dass hier das Donauwasser, das in Immendingen und Fridingen versickert, in dieser Quelle wieder zutage tritt. Als Radolfzeller Aach fließt es ca. 14 Km zum Bodensee und mündet dort.
Die idyllische Ortsmitte des Städtchens Aach

Blick von Aach in den Hegau

Aach liegt erhöht auf einem Bergsporn, mit Staffelgiebelkirche, Pfarrhaus und einem alten, unzugänglichen Schloss. Von hier oben sieht man die Vulkanberge des Hegau und bei klarem Wetter bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln. Die Gegend eignet sich zum Wandern, zum Radfahren und für Ausflüge an den Bodensee, nach Messkirch, Pfullendorf, Engen und in die Schweiz.


So schön wohnt man dort!

Das Brunnenhaus. Bis 1756 wurde das Wasser mit Kübeln und Zuber aus "Sales Brünnele" an der Aach herausfgeholt.

Hier geht es noch sehr gemütlich zu. Hühner, Gänse und Enten tummeln sich, meist nur wenige Touristen
Das Sarah-Loch am Ende des Aachtopfes, in dem der Teufel aus Wut verschwunden sei

Der Aachtopf mit Gasthaus. Ein Weg führt um die Karstquelle herum und hinauf zu einer mittelalterlichen Burg und zwei großen Dolinen (Einbrüche des Bodens)
Man kann in dem Gasthaus direkt am Quelltopf sitzen und kleine Speisen, Eis und Kuchen zu sich
nehmen. Günstige Unterkünfte gibt es im Gasthaus Löwen und in einer Ferienwohnung oben im Ort.
Wenn man wirklich einmal eine Auszeit von der Hektik und dem Stress der Zeit nehmen will, ist man hier gut aufgehoben. Etwas mehr touristische Infrastruktur bietet das nahe Engen. Wir sind diesmal nicht geblieben, sondern weitergefahren nach Messkirch, einer reizvollen Kleinstadt, in der die Herren von Zimmern residierten.Kleine Bemerkung am Rande: Diese Gegend, zusammen mit Schloss Wildenstein im Donautal (ebenfalls Residenz der Herren von Zimmern, dort wurden auch große Teile der berühmten Zimmerschen Chronik geschrieben), inspirierte mich so sehr, dass sie einen Platz in meinem Roman "die Pilgerin von Montserrat" sowie in anderen Romanen gefunden hat.


Eingang zum Renaissanceschloss der Herren von Zimmern

Montag, 16. Mai 2016

Die Wurmlinger Kapelle

Wanderung von Hohentübingen zur Wurmlinger Kapelle


Viel ist schon über diesen „Klassikerweg“ geschrieben und gesagt worden. Oft bin ich ihn während meiner Studienzeit in Tübingen gegangen und auch in den vielen Jahren danach. Die romantischste Variante ist zweifellos diejenige, die auf dem Schloss Hohentübingen beginnt. Einst stand an dieser Stelle eine mittelalterliche Burg, die als „castrum twingia“ 1078 erwähnt wurde. Hier residierten die Pfalzgrafen von Tübingen, bis sie Burg und Stadt 1342 an die Grafen von Württemberg veräußerten. Heute gehört das imposante Renaissanceschloss der Universität. Die Wanderung bietet nicht nur landschaftliche Höhepunkte und botanische Kostbarkeiten, sondern auch diverse kulinarische Genüsse. An der Schlosssteige beim Haagtorplatz, auf der man ebenfalls zur Burg hinauf kommt, kann man das Gartenhäuschen sehen, in dem Johann Wolfgang Goethe anno 1797 mit seinem Verleger Cotta weilte. Heimlich nenne ich diese Wanderstrecke „Dichterweg“, denn es mögen ihn viele große und kleinere Köpfe gegangen sein, die seit dem 18. Jahrhundert in Tübingen wohnhaft waren.
Und hier ist die Wegbeschreibung: Durch einen schmalen, geheimnisvollen Gang im hinteren Schlosshof geht es hindurch zum Schänzle, dann nochmal eine düstere Treppe hinab. Eine mittelalterliche Athmophäre, die jäh durch den Austritt an die Mauer unterbrochen wird. Man sieht das silberne Band des Neckars und das weite Land mit dem Rammert-Buckel und den Dörfern Hirschau, Bühl und Kiebingen. Vorbei an Verbindungshäusern und dem Bismarckturm erreicht man den Waldrand. Es geht ziemlich lange geradeaus durch einen Buchenmischwald. Auf halber Höhe kann man rechts hinab zum Schwärzlocher Hof steigen, einem beliebten, nicht nur studentischen Treffpunkt mit Mostbowle und schwäbischen Gerichten wie Mostbraten, Linsen mit Spätzle und Sauren Kutteln. Der Hof wurde schon im Jahr 1085 erwähnt. Von der Terrasse genießt man einen schönen Blick ins Ammertal. Wandert man weiter nach Wurmlingen, erreicht man schließlich, gegenüber der Kapelle, einen Wiesenhang, auf dem im späten Frühjahr Orchideen blühen. Zur Kapelle St. Remigius muss man wieder hinaufsteigen, wird aber mit einer noch großartigeren Aussicht belohnt. Ludwig Uhland unternahm im Jahr 1815 einen Spaziergang zur Wurmlinger Kapelle und verfasste das bekannte Gedicht: 

Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab.
Drunten singt bei Wies' und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor;
Stille sind die frohen Lieder,
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
Dir singt man dort auch einmal.
Ludwig Uhland, (1787 - 1862), deutscher Dichter und Mitglied des Frankfurter Paulsparlamentes.

Während ihres Studiums der Theologie im Tübinger Stift unternahm der Dichter Eduard Mörike, der ebenfalls mit Uhland befreundet war, einmal im Winter einen Rodelausflug mit dem Feuerkopf Wilhelm Waiblinger und anderen. Nachdem sie dem Wein derart zugesprochen hatten, dass der Ephorus im Stift verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte, purzelten sie nacheinander in den Schnee und mussten mit einer Kutsche nach Tübingen zurückgeschafft werden.
Die heutige Kapelle St. Remigius wurde im Jahr 1680 errichtet und enthält eine romanische Krypta aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie ist von Mai bis Oktober in der Regel jeden Sonntag von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Der Berg ist mit Weinreben, Esskastanien und einer mediteranen Vegetation bestanden. Bis in das Jahr 2004 gab es die Gaststätte „Kratzer“am Fuß des Kapellenberges. Bei einem Blick in den Bauerngarten kann man heute noch träumen von Heidelbeerwein, Most, Bier und deftigen Speisen. Das alljährliche Fleckenfest in Wurmlingen ist ebenfalls einen Besuch wert, nicht nur wegen seiner Oberländer Bratwürste mit Kartoffelsalat. Das nächste Fest findet vom 10.-11. September 2016 statt. Den Rückweg kann man durch das Ammertal nehmen oder aber mit der Ammertalbahn von Unterjesingen nach Tübingen fahren. (Halbstundentakt).


Hier noch eine exaktere Wegbeschreibung mit Schwierigkeitsgrad usw.








Romantische Wege: Schloss Lindich

Schloss Hohenzollern

Schloss Lindich – Zauberhafte Wanderung am Fuß der schwäbischen Alb

Gehzeit ca. 1 1/2 bis 2 Stunden, 3-4 Kilometer.

Die Wanderung beginnt beim Schloss Lindich, hoch über der Eyach gelegen, zwischen Rangendingen und Hechingen. Das Schloss und die ihn umgebenden Häuser sind so verwunschen, dass sich immer mal wieder ein Ausflug dorthin lohnt. Das Schloss diente den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen als Jagd- und Lustschloss, darunter auch als Residenz für die reiselustige Fürstin Eugénie.Vorher bewohnte Eugénie die bekannte Eugenienburg (Schloss Arenenberg) am Schweizer Ufer des Bodensees, und später bezog sie die „Villa Eugenia“ in Hechingen. Schloss Arenenberg ist übrigens ein noch zauberhafter gelegener Ort. Dort saß ich einmal auf einem zierlichen Stuhl auf der Terrasse, vor mir das unendliche Blau des schwäbischen Meeres und die südliche Vegetation der Gegend. Ich konnte mir vorstellen, dass solche Schlösser intensiv auf das Seelenleben der Fürstinnen und Königinnen dieser Welt hätten einwirken können, wenn - ja wenn die arme Eugenie nicht immer so allein gewesen und von ihrem Gatten im Stich gelassen worden wäre! Sie starb bei der Rückkehr von einer Kur in Badenweiler an Tuberkulose, im Hotel "Post" in Freudenstadt, ohne ihre Heimat noch einmal gesehen zu haben. Berühmte Persönlichkeiten waren hier als Gäste der Hechinger Fürsten untergebracht: Kaiser Napoleon III., Ludwig Uhland und Franz Liszt. Ein Gestüt mit edlen Pferden ist angegliedert. Der geteerte Weg beginnt beim Schloss und führt zunächst schön schattig zwischen Hangwald und verlassenen Polizeikasernen hindurch. Bald ist man auf der Hochfläche und hat die Schwäbische Alb mit ihren blauen, ineinander geschachtelten Mauern vor sich, im Vordergrund die Burg Hohenzollern mit ihren martialischen Türmen. Auf Höhe des Telegrafenmastes zweigt ein Wiesenweg links ab, der hinunter ins Tal führt und den Römischen Gutshof Stein berührt. Wir wenden uns jedoch nach rechts, vorbei an einer Schafkoppel, die den ursprünglichen Weg abschneidet. Kurz darauf kann man einen Pfad zu einer Kapelle und Grillstelle im Wald hinaufgehen. Es könnte einmal ein heiliger Berg gewesen sein, denn viele Stellen zeugen von der Bedeutung, den dieser Platz für die ursprünglichen Bewohner gehabt haben muss. Auf schmalem Pfad geht es hinunter zu einem Brunnen. Links davon breitet sich eine Wacholderheide mit Grimms Märchenfiguren aus. Im Mai und Juni blühen hier verschiedene Knabenkräuter und Ragwurze.


 An einem Sommertag sahen wir eine ostdeutsche Familie beim Pflücken der Früchte eines Maubeerbaumes. Was man wohl daraus herstellen kann? Ein Blick ins Onlinelexikon sagt mir, dass sie sich getrocknet zunehmender Beliebtheit erfreuen, und dass sie auch in der Medizin einsetzbar seien. Eine Birkenallee führt von dem Brunnen hinab, sie richtet sich genau auf diesen Brunnen aus. Schattig geht es am Waldrand weiter, verzauberte Plätze, dann Sumpf mit langen Gräsern und einem Erlenbruch. Schließlich erreicht man die kleine Straße, die zum Schloss Lindich zurückführt. Parallel dazu kann man auf einem Weg am Golfplatz entlang laufen, einem der schönsten der Gegend, und die Bälle fliegen sehen. Schließlich erreicht man wieder den Parkplatz bei Schloss und Gestüt. Es ist eine der vielfältigsten Wanderungen im Zollerland und wenig bekannt. Ein moderat steiler Abstieg führt hinab in den Hechinger Ortsteil Stein (Man kann den Weg natürlich auch im eigenen Wagen zurücklegen). Hier steht die bekannte römische Villa Rustica, eine sehenswerte Rekonstruktion eines Gutshofes aus der Römerzeit in Schwaben - mit alljährlichem Fest. Ständig werden neue interessane Gebäude und Dinge des täglichen Lebens ausgegraben. Man kann sich das Leben dieser Gutshoffamilie etwa im 3. Jahrhundert nach Christi gut vorstellen. Zum Einkehren empfiehlt sich das Gasthaus "Lamm" in Stein nicht weit vom Römergutshof entfernt. Dort bekommt man von den Scheiben des Alblamms über saure Kuttel bis hin zu Bärlauchnudeln die ganze Palette der schwäbischen Küche.

Wegbeschreibung: In Rangendingen (beliebtes Café "Schlupfwinkel) Ortsmitte Richtung Grosselfingen abbiegen, dann nach Weilheim links, in Höhe des Golfplatzes wieder links zum Schloss Lindich. Karte von Google Earth








Mittwoch, 16. März 2016

In den hohen Norden

Am Freitag letzter Woche habe ich die Grenzen Baden-Würembergs verlassen und mich auf eine kurze Reise in die alte Heimat im Norden begeben. Die Ergebnisse habe ich in meinem Autorenblog "Schreibteufelchen" zusammengefasst. Ein Hauch von Mord und Politik. Hier im Ausflugsblog werde ich die Fahrt noch einmal kurz zusammenfassen und mit ein paar Fotos versehen. Der Reiseweg ging von Nagold über Pforzheim und Karlsruhe bis Frankfurt, wo ich eine Übernachtung einlegte und dann zusammen mit meinem Sohn David weiterfuhr über Hamburg bis Flensburg-Wassersleben-Kupfermühle, wo ich meine Kindheits- und Jugendjahre verbrachte.

                                        Unser Haus mit der Ferienwohnung in Kupfermühle

 Weg an der Flensburger Förde zur Schusterkate, dem kleinsten Grenzübergang zwischen Dänemark und Deutschland
            Blick Richtung Kollund. Hier gibt es wunderschöne versteckte Buchten zum Baden



 Die alte Hafenstadt Flensburg - Blick von der historischen Altstadt auf die andere seite des Hafens. Dort gibt es einige neue Fischrestaurants und Appartmenthäuser.





Kupfermühle
                                                 An der dänischen Muschelküste
                                              Das Meer in seiner ganzen Ausdehnung
                                   Die alten Auen zwischen Schusterkate und Wassersleben
                          Unser Elternhaus, das heute von einem jungen Paar bewohnt wird
                   Flensburg - Stadt des Rums, der Aale, der Beate Use und der Segelschiffe
                                                          
                                                  

                                               Letztes Fischbrötchen vor der Grenze


                                            
                 Die Rückfahrt - vom Frankfurter Römer über den Mainkai zum Hauptbahnhof

                                                

Sonntag, 28. Februar 2016

Romantische Wege

Der Frühling lässt dieses Jahr lang auf sich warten. Weihnachten war Sommer, dann kam der Schnee, es folgten ein paar Frühlingstage und jetzt schneit und regnet es wieder wie im April. Aber einmal muss er kommen und dem Winter das Genick brechen! Überall, und nicht nur während der Fasnacht, hat man ihn schon ausgetrieben. Mancherorts, wie zum Beispiel in Haslach im Kinzigtal, werden Anfang März brennende Scheiben den Berg hinabgerollt, das "Scheibenschlagen", ein gespenstisches Schauspiel. Für mich ist es Zeit, mal wieder an die kommende Wander - und Ausflugssaison zu denken. Im Moment mache ich eine Pause beim Romaneschreiben und würde mich gern wieder meinem Ursprungsprojekt, dem Erstellen eines Wander - und eines Ausflugsbuches für Baden- Württemberg widmen. Einige der Artikel hier können schon als Grundlage dienen. Mein neuester Gedanke ist folgender: Zusammen mit meinem Lebensparter könnte ich drei Titel dafür formulieren: Einmal "Romantische Wege", das sind kürzere Texte zum Wohlfühlen. Sie sollen Wege durch Parks und Landschaften beschreiben, bei denen der reine Genuss und alle Sinne im Vordergrund stehen. Dann folgen Wanderungen und Ausflüge in die baden-württembergischen Regionen und Städte. Sobald es wieder wärmer wird, kann es losgehen. Bis dahin werde ich hier schon einige "romantische Wege" vorstellen, beginnend mit dem
zauberhaften kleinen Imnauer Park, in einem Seitental des Neckars unweit Tübingen/ Rottenburg gelegen.